| Joannis Avramidis |
Wie kein anderer Künstler vor oder nach ihm hat sich Joannis Avramidis mit hohem Anspruch und unerreichter Konsequenz in seinem Werk der menschlichen Figur gewidmet. Er zählt zu den wegweisenden Bildhauern der zweiten Hälfte des 20. Jh. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den frühen Arbeiten der 50er und 60er Jahre, und die Qualität jeder einzelnen Arbeit lässt keinen Zweifel daran, welche großen bildnerischen Kräfte hier am Werk waren und sind: Avramidis verzichtet also (...) im plastischen Ausbilden radikal auf die freie individuelle Gestaltung und beginnt gewissermaßen ganz von vorn, bei den Grundgesetzen der Rundung in Säule und Kugel. Er lässt die menschliche Figur noch einmal wie die griechische Frühklassik aus der Säule hervorgehen. Seine Skulpturen wirken wie aus einzelnen Modulen zusammengesetzte, unbewegte Figuren, deutlich zentriert um eine einzige Längsachse, alleine stehend oder in Gruppen zusammengefasst. Sie sind aus Einheiten von elementarer plastischer Form gebildet, die aus Rastern von vertikalen Linien und horizontalen Einschnürungen entstehen: unabhängig von der konkreten Figur, systematisch, kompatibel, theoretisch unendlich erweiterbar in die Höhe. Wenn dieser Eindruck auch zutreffend ist, hat Avramidis' Werk dennoch nichts zu tun mit etwa serieller und/oder minimalistischer Kunst, für die ähnliche charakterisierende Stichworte angeführt werden könnten. Bei Joannis Avramidis wird die Form für jede Skulptur variierend neu entwickelt, in einem langen, intensiven, durchdachten Prozess, der bei Zeichnungen beginnt, die sich überraschend stark am natürlichen Vorbild des menschlichen Körpers orientieren. Diese widmen sich als Studien einzelnen Partien oder reduzieren den Körper auf seinen Torso - aber immer zeigen sie in der Erfassung des Volumens eine Tektonik des Körpers, die auch den betont strukturellen Aufbau der Skulpturen bestimmt. ...das gesamte künstlerische Werk von Joannis Avramidis ist durch einen großen Zusammenhang geprägt: durch die systematische Entfaltung einer allgemein gültigen plastischen Gesetzlichkeit, die zugleich die ideale Formel der menschlichen Figur ist. Von diesem Werkprozess sind in der Ausstellung die freien Zeichnungen mit einigen hervorragenden Exponaten der 50er Jahre zu sehen, ebenso die ihnen folgenden konzeptuell angelegten Studien (dokumentiert mit einer Zeichnung von 1960) sowie frühe Stadien der Konstruktionszeichnung bis hin zur maßstabsgetreuen Aufrisszeichnung, aus der sich die eigentliche Plastik in logischer Konsequenz ergibt. Zitate aus: U. Oevermann, Kunst und Charisma. Gedanken zum Werk von Joannis Avramidis, in: Joannis Avramidis. Skulpturen. Ausst.kat. Galerie Appel und Fertsch, Frankfurt/Main, Juni-Juli 1986. Joannis Avramidis, geboren 1922 in Batum (am Schwarzen Meer) und griechischer Abstammung, lebt und arbeitet seit 1943 in Wien. Er beendete an der Wiener Akademie für Bildende Künste seine künstlerische Ausbildung, war Schüler von Fritz Wotruba, und lehrt seit 1968 ebendort als Professor. Für sein Werk erhielt er 1956 den Staatspreis der Wiener Akademie der Bildenden Künste Zahlreiche Ausstellungen dokumentieren den hohen Rang seines Werkes: 1. Auswahl aus Gruppenausstellungen: 2. Auswahl aus Einzelausstellungen: |
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