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Renate Wolff

Gelbsicht

Stellen Sie sich vor, Sie betreten einen Raum, der Ihnen vertraut ist, weil Sie sich jeden Tag dort aufhalten - und doch ist es dieses Mal ein neuer Raum, nicht wirklich fremd, aber aufregend anders und ungewohnt. Neu strukturiert von geometrisch begrenzten Farbflächen, Systemen aus präzisen Farblinien und überhaupt intensiver, klarer Farbwirkung jenseits einer spezifischen Form. Wände, Böden und Ausblicke nach Draußen gewinnen ein strukturelles und ästhetisches Eigenleben. Alltag und Selbstverständlichkeiten sind außer Kraft gesetzt - zugunsten einer emotional-sinnlich und mental neuen Erfahrung Ihrer Umgebung....und damit auch einer geschärften Wahrnehmung Ihrer selbst in diesem Raum....

Vermutlich befinden Sie sich an einem von Renate Wolff neu gestalteten Ort. Und es sind diese Eingriffe in nicht mehr bewusst erlebten Raum , privat oder öffentlich, innen oder außen, und in nur noch beiläufig wahrgenommene Architektur, mit denen die Künstlerin in den letzten Jahren besonders auf sich aufmerksam gemacht hat.´

Ob es sich um isolierte Objekte aus den Stadtprospekten von Berlin oder New York handelt, oder um gegebene Räumlichkeiten unterschiedlichster Ausstellungsorte, um öffentliche (Innen-)Räume wie U-Bahnstationen, Bahnhofshallen, Foyers von politischen und universitären Gebäuden oder auch um das eigene Atelier - immer sind es geometrische Strukturen, mit denen Renate Wolff Gestalt und Atmosphäre eines Raumes und seiner Umgebung verändern oder seine Charakteristika verstärken kann. Und immer nehmen sie Bezug auf den spezifischen Ort. Sie werden aus ihm heraus entwickelt, genauso wie ihre klaren, intensiven Farben und überziehen ihn nicht einfach mit einem im Voraus bestehenden Konzept - und das macht ja auch den Reiz und die Wirkung des Ganzen überhaupt erst aus und gibt den Raumgestaltungen ihren künstlerischen Sinn:

Entweder legen diese Strukturen mögliche Grund- und Aufrisse des Raumes frei, zeichnen leicht variierte Konturen von architektonischen Silhouetten nach, füllen Leerräume aus, visualisieren formal inhaltliche Assoziationen zur Funktion der betreffenden Orte, sind ergänzende Entwürfe, legen Systeme frei, die sich hinter und unter den Mauern verbergen könnten. Sie projizieren fiktive korrespondierende räumliche Gebilde auf vorhandene Flächen oder verkehren ‚Negativformen' ins Sichtbare, Positive, werden Öffnungen wie Türen und Fenster auf undurchdringlichen Wandabschnitten wiederholt. Sie geben Flächen Volumen und Farbe Materialität.

Für unsere Ausstellung stellen wir Renate Wolff die Galerieräume für eine Umgestaltung zur Verfügung. Das Ergebnis ist das temporäre Experiment "Gelbsicht".

Renate Wolff ist aber auch mit farbigen Wachsarbeiten und Graphiken bekannt geworden, in denen sie auf ungewöhnliche Weise ebenfalls geometrische Formen und Strukturen variiert. Deren formale Präzision bildet besonders in den Bildern aus Wachs einen ganz besonderen Kontrast - oder eine Ergänzung - zu dem opaken, weichen Material und der Intensität des verwendeten Pigments. In der Ausstellung zeigen wir auch aus diesem Bereich ihres Werkes neue Arbeiten, in denen das Interesse stärker auf das gegenseitige Verhältnis verschiedener, zum Teil zeichenhafter Flächen im kompositionellen Gefüge gerichtet ist.

Die in Berlin lebende Künstlerin war bereits 1994 anlässlich der Verleihung des Deutschen Kunstpreises in München zu Gast, im Rahmen einer Gruppenausstellung im Haus der Kunst.
Seit mehr als 15 Jahren werden Renate Wolffs Arbeiten in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen im In- und Ausland gezeigt. Wir bieten Ihnen nun mit unserer Ausstellung zur open art die Gelegenheit, das Werk der Künstlerin kennenzulernen.

Einzelausstellungen (Auswahl):

1989 Galerie Schütz, Frankfurt/Main
1992 Art Cologne, Förderkoje Galerie Langenkamp, Köln
1993 Galerie 86, Europäische Akademie für Bildende Kunst, Trier
1995 Landesmuseum Mainz, Et Cetera Galerie, Mainz
1996 Surge of Cold Air, Stefanelli Gallery, New York
1999 Pfalzgalerie, Museum Kaiserslautern
2002 Framing Spaces, Kunstverein Trier
Projektraum G35, Berlin
2004 Kunstverein Würzburg (i.V.)

Gruppenausstellungen (Auswahl):

1994 Deutscher Kunstpreis 1994/95, Haus der Kunst, Landesmuseum Düsseldorf
1995 Collezioni II, Giovani Artisti Tedeschi, Castello di Rivara, Turin, Italien
1996 Unpainting, David Pestorius Gallery, Brisbane, Australien
Lafayette 214, Produzentengalerie, New York
1999 Zwischen den Welten, The Korean Culture & Arts Foundation, Seoul, Korea
2000 Snapshot, u.a. Contemporary Museum, Baltimore/Maryland, USA
2003 Ubi bene Ibi Patria, Kunsthalle der Europäischen Akademie f. Bildende Kunst, Trier
Robert-Schumann-Preis, Villa Vauban, Museum Luxemburg. Luxemburg

Projekte (Auswahl):

1995 Kunst am Bau, Niederschlesische Sparkasse, Görlitz
1996 Kunst am Bau, Landesbank Hessen-Thüringen HELABA, Offenbach
Deutsche Bahn AG, Geschäftsbereich Netz, Frankfurt/Main. Gestaltung der Eingangshalle in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn AG und der Galerie Monika Reitz, Frankfurt/Main
1999 Moabiter Werder, Berlin. Gestaltung der vier Eingangshallen der Abgeord-netenhäuser in Zusammenarbeit mit Martin Mlecko/Peoples Project, Berlin
2000 Außenministerium, Berlin. Gestaltung der Eingangshalle in Zusammenarbeit mit der Galerie Schipper und Krome, Berlin, und den Architekten Thomas Müller und Ivan Reimann, Berlin.
2002 Juridicum und Audimax der Martin-Luther-Universität, Halle/Saale. Gestal-tung der Eingangshallen und Bibliotheksräume in Zusammenarbeit mit den Studenten der Klasse von Prof. U. Moehrke, Hochschule für Kunst und Design, Halle/Saale
2003 Art Football Projekt 2006, Olympiastadion Berlin in Zusammenarbeit mit Brands United, Berlin

Preise/Stipendien:

1994 Sonderpreis des Deutschen Kunstpreises 1994/95
1997 Stipendium der Stiftung Kunst und Kultur NRW
1999 Goldrausch-Projekt, Berlin
2000 Kunstfonds-Arbeitsstipendium, Bonn
2003 Stipendium der Pollock-Krasner Foundation, New York

Biographie:

1956 geboren in Trier
1977-86 Kunstakademie Düsseldorf. Studium der Malerei bei Norbert Tadeusz, Karl Bobek und Ulrich Rückriem
1984 Meisterschülerin
1996/97 Studienaufenthalt in New York
seit 2002 Lehrauftrag an der Hochschule für Kunst und Design, Halle/Saale
2003 Lehrauftrag an der Europäischen Akademie für Bildende Kunst, Trier

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